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Ideen Für Mehr! - Ganztägig Lernen. - Ganztagsschulen
Veröffentlicht auf Ideen Für Mehr! - Ganztägig Lernen. - Ganztagsschulen (http://www.ganztaegig-lernen.de)

 


„Auf dem Weg zur guten Ganztagsschule“ – Perspektiven von Schule und Jugendhilfe 

„Auf dem Weg zur guten Ganztagsschule“
(c) Teilgebundene Ganztagsschule Grundschule Hahle, Stade
Als Einstimmung auf das Beratungsforum „Auf dem Weg zur guten Ganztagsschule“ am 18.5. in Berlin wurden Kristina Krüger (Fachberaterin für den Ganztag) und Marc Rohde (Grundschulleiter) interviewt. Kristina Krüger und Marc Rohde werden in jeweils unterschiedlichen Beratungssalons Impulse geben. Für das Portal ganztägig lernen haben sie drei Fragen zu Ihrer Perspektive auf die gute Ganztagsschule beantwortet. 

Als Einstimmung auf das Beratungsforum „Auf dem Weg zur guten Ganztagsschule“ am 18.5. in Berlin wurden Kristina Krüger (Fachberaterin für den Ganztag) und Marc Rohde (Grundschulleiter) interviewt. Kristina Krüger und Marc Rohde werden in jeweils unterschiedlichen Beratungssalons Impulse geben. Für das Portal ganztägig lernen haben sie drei Fragen zu Ihrer Perspektive auf die gute Ganztagsschule beantwortet.

Die gute Ganztagsschule aus Sicht eines Schulleiters

Marc Rohde ist Leiter der Grundschule Hahle in Stade (Niedersachsen). Die Grundschule ist ein Teil des Bildungshauses Hahle. Zum Bildungshaus gehören drei Kitas, eine Kooperationsklasse der Förderschule geistige Entwicklung, die Familienbildungsstätte mit den FezS-Gruppen (Familien erleben zusammen Sprache), die soziale Gruppenarbeit des Jugendamtes in Trägerschaft der Diakonie, die Stiftung Lesen mit dem Konzept „Leseclub“ und eine enge Kooperation mit dem Beratungszentrum für emotionale und soziale Entwicklung. Die Kinder dieser Institutionen arbeiten gemeinsam in den Lernwerkstätten, im Leseclub und gestalten die Mittagspausen gemeinsam. Ziel der verzahnten Angebote ist es zum einen, Kindern eine bruchlose Bildungsbiographie zu ermöglichen, zum anderen Familien zu fördern, um Stigmatisierungen entgegenzuwirken.

Marc Rohde gibt im Beratungssalon 3 (Vielfalt und Bildungsgerechtigkeit an Ganztagsschulen) einen Impuls zum Thema „Bildungschancen gemeinsam mit Partnern fördern – Die Grundschule Hahle als Teil eines Bildungshauses“.

Was macht die gute Ganztagsschule aus?

Gute Ganztagsschule zeichnet sich nach Erfahrung von Marc Rohde durch eine gute Organisation der Lernzeiten, umfassende schulische und nachschulische Betreuungsangebote (inkl. Ferienbetreuung) und inhaltliche Schwerpunktsetzungen aus. Das Mehr an Zeit in der teilgebundenen Ganztagsschule nutzt die Grundschule für eine veränderte Rhythmisierung. Die Stundentafel wurde neu gedacht und längere Lerneinheiten eingeführt.

Bei der inhaltlichen Gestaltung der Lerneinheiten stellt sich das Kollegium immer wieder die Frage: Was brauchen speziell die Kinder unserer Grundschule, um erfolgreich zu lernen? Denn der Migrationsanteil in der Schule ist hoch. Daraufhin haben sich zwei thematische Schwerpunkte herauskristallisiert: die Sprachbildung und die Vermittlung von Methoden des Lernens.

Diese Schwerpunkte spiegeln sich u.a. in den Modulen Sprache und Methoden und in den drei Lernwerkstätten, die die Erzieherinnen und Erzieher sowie Lehrkräfte in Kooperation aufgebaut haben, wider: die Lernwerkstatt Musik, die Lernwerkstatt Sprache und die Lernwerkstatt Naturwissenschaften. Die Lernwerkstätten sind nicht nur Ort gezielter Förderung, sondern auch der multiprofessionellen Zusammenarbeit: Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher fördern gemeinsam die Kinder.

Die Elternarbeit spielt in der Grundschule Hahle eine wichtige Rolle. Eltern werden gezielt an bestimmten Elementen des Schullebens beteiligt. Dazu gehören beispielsweise kulinarische Leseabende, Sport- und Spielfeste und Garteneinsätze. Diese Einladungen werden gerne und in großer Zahl angenommen.

Die Qualität der Ganztagsschule Hahle ist zudem geprägt von einem differenzierten Übergangsmanagement. Die Kinder haben die Möglichkeit, vom 3. bis zum 10. Lebensjahr in einem Gebäude und gemeinsamen Lernräumen Erfahrungen zu sammeln und fast ohne Orientierungsschwierigkeiten in Klasse 1 oder im Schulkindergarten zu starten. Das sogenannte „Brückenjahr“ (das Kindergarten-Jahr vor der Einschulung) wird z. B. im Bildungshaus sehr aktiv gelebt, indem die Kita-Kinder in den Schulunterricht eingeladen werden. Auch Eltern können den Unterricht der Kinder kennenlernen und sich mit den Lehrkräften austauschen.

Was sind die größten Herausforderungen der Ganztagsschule? 

Ein gemeinsames Verständnis von Bildung und Erziehung zu entwickeln, stellt nach Ansicht von Marc Rohde eine bleibende Herausforderung dar. Im Bildungshaus werden nicht nur verschiedene Professionen, sondern auch Institutionen unter einen Hut gebracht: Kita, Grundschule, Förderschule, Familienbildungsstätte und Beratungszentren. Über die Professionen und Institutionen hinweg eine gemeinsame Vision von guter Bildung zu entwickeln und bereit zu sein, immer wieder neu anzusetzen, ist mühsam, aber gewinnbringend. Das erlebt auch die Schulgemeinschaft der Grundschule Hahle.

Mit einem kleinen Unterstützerkreis zu beginnen und dann mit konkreten Vorschlägen Überzeugungsarbeit in der Breite des Kollegiums zu leisten, ist ein Weg, mit dem Herr Rohde gute Erfahrungen gemacht hat. Demnächst wird so z. B. das bestehende Rhythmisierungskonzept der Schule erneuert.

Was sind die größten Potentiale der Ganztagsschule?

Das Mehr an Zeit, verbunden mit der Verbindlichkeit seiner teilgebundenen Ganztagsschule, hält Marc Rohde für große Potentiale. Mehr Zeit bedeutet für die Schülerinnen und Schüler, zusätzliche Chancen zu haben, Gelerntes zu wiederholen und Wissen anzuwenden. Vier Stunden in der Woche sind allein dafür in Lern- und Übungszeiten reserviert. Die Schülerinnen und Schüler bekommen hier die Gelegenheit, was sie gelernt haben, direkt und praktisch umzusetzen.

Wir freuen uns, Marc Rohde als Inputgeber im Salon 3 des Beratungsforums: „Vielfalt und Bildungsgerechtigkeit an der Ganztagsschule“ begrüßen zu dürfen.


 


http://www.ganztagsschulen.org/de/17815.php

04.10.2016 Autor/in: Ralf Augsburg

Fachtag Ganztagsschule: „Richtig gut auf dem Weg“

Mit Fachtagen fördert Niedersachsen die Vernetzung von Ganztagsschulen vor Ort. In Lüneburg stellte die Grundschule Hahle ihren teilgebundenen Ganztag vor, von dem sie „zu 110 Prozent überzeugt ist“.

Angela Reimers macht die Probe aufs Exempel. Wie viele Vertreterinnen und Vertreter von Schulen, die sich auf den Weg machen wollen, Ganztagsschule zu werden, sitzen an diesem 22. September 2016 unter den rund 90 Teilnehmenden des Fachtags Ganztagsschule? Viele Hände recken im Hörsaal der Leuphana Universität in die Höhe.

© Grundschule Hahle

„Die Grundschulen sind auf einem richtig guten Weg“, freut sich die Referentin für Ganztagsschulen im Niedersächsischen Kultusministerium im Anschluss an ihr Impulsreferat. „Seit zwei bis drei Jahren gibt es eine große Antragswelle im Primarbereich.“ Die Dynamik der Ganztagsschulentwicklung in Niedersachsen zeigt sich auch in der großen Nachfrage bei den Fachtagen, die seit 2015 in den Regionen stattfinden. Bei diesem zweiten Fachtag in Lüneburg heißt es in manchem der Workshops: Stühle beistellen, weil der Platz nicht reicht.

Die Niedersächsische Landesschulbehörde (NLSchB) und das Niedersächsische Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ) haben die Fortbildungsreihe in enger Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Kultusministerium entwickelt. Sie dient dem Austausch und der Vernetzung in den jeweiligen Regionen und soll die Schulentwicklungsprozesse unterstützen.

Fachtage fördern Vernetzung

Für dieses Schuljahr sind zwölf Veranstaltungen geplant, die in jeder Region des Landes stattfinden. „Die Resonanz auf die Veranstaltungen im Jahr 2015 war gut, hat aber auch Wünsche der Teilnehmenden deutlich gemacht, auf die wir nun reagiert haben“, erklärt Franz-Josef Kamp, koordinierender Fachdezernent für Ganztagsschulen für Niedersachsen und Moderator des Fachtags. So wird das Thema Vertragsgestaltung nicht mehr in einem gesonderten Themenblock behandelt, sondern in die pädagogischen Themen integriert. Neu hinzu gekommen ist das Thema „Hausaufgaben“. Daneben stellen sich zwei Grundschulen vor, die ihre Entwicklung zur offenen beziehungsweise teilgebundenen Ganztagsschule präsentierten.

Grundschule Hahle
© Grundschule Hahle

„63 Prozent der Schulen in Niedersachsen arbeiten inzwischen als Ganztagsschulen“, berichtet Angela Reimers zu Beginn des Fachtags. „77 Prozent arbeiten als offene, 20 Prozent als teilgebundene und 3 Prozent als vollgebundene Ganztagsschulen.“ Bis Ende 2020 werde das Land 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung stellen, den Großteil davon für Lehrerstunden. „Die Ganztagsschulen sollen unter Berücksichtigung ihrer regions- wie schulspezifischen Qualitäten ausgebaut werden“, so die Referentin.

Abschließend geht sie auf Ergebnisse der „Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen“ (StEG) ein: „Die Studie hat gezeigt, das in der Rhythmisierung und der individuellen Förderung Ganztagsschulen ihr Potenzial nicht ausschöpfen. Mit den Schwerpunkten der Fachtage wollen wir gerade diese Themen behandeln und Schulen von der Erfahrung anderer Ganztagsschulen profitieren lassen. Und wir möchten die Vernetzung fördern, denn gerade Schulnetzwerke haben sich in der Vergangenheit bewährt.“

Grundschule Hahle: „Nehmen Sie sich Zeit!“

Mit der Grundschule Hahle berichtet eine teilgebundene Ganztagsschule im Workshop von ihren Erfahrungen. Die Grundschule in der Hansestadt Stade hat in fünf Jahren den Weg von der Halbtagsschule zur teilgebundenen Ganztagsschule zurückgelegt. Schulleiter Marc Rohde und Lehrer Florian Rohde – nicht verwandt, wie beide häufig anmerken müssen – schildern den nicht immer konflikt- und stressfreien Weg zum Status Quo. Heute sind alle Beteiligten an der zweizügigen Grundschule mit 170 Schülerinnen und Schülern, zwölf Lehrkräften und drei pädagogischen Fachkräften mit dem Entwicklungsstand zufrieden.

© Grundschule Hahle

Einen ersten Merksatz gibt es vom Schulleiter gleich zu Beginn: „Nehmen Sie sich Zeit!“ Inzwischen ist die Grundschule Hahle ein „Bildungshaus“, weil eine professionsübergreifende Kooperation mit der Kindertagesstätte und darüber hinaus mit zwei weiteren Kitas, einer Förderschule, der Familienbildungsstätte, dem Beratungszentrum für emotionale und soziale Entwicklung sowie der Diakonie besteht. Aber nach Auskunft des Schulleiters hat es gute drei Jahre gedauert, bis die Kooperation mit der Kita im Haus so verzahnt wie erhofft lief.

Die Idee zur Ganztagsschule entwickelte sich im Schuljahr 2009/2010. Das Kollegium hatte festgestellt, dass nach Schulschluss viele Schülerinnen und Schüler noch auf dem Schulhof blieben. Die Grundschule organisierte eine Hausaufgabenbetreuung durch Eltern, was aber an Grenzen stieß. „Ich finde Elterneinbindung gut“, betonte Marc Rohde, „aber nicht wenn eine Mutter oder ein Vater allein mit 22 Kindern zu tun hat. Das Land handelt meiner Ansicht nach richtig mit dem verstärkten Einsatz von Lehrerinnen und Lehrern im Ganztag. Wir brauchen Fachpersonal.“

Weniger ist mehr

Im Schuljahr 2010/2011 startete die offene Ganztagsschule an drei Wochentagen. „Da wir Vorreiter in unserer Region waren, konnten wir noch alle außerschulischen Anbieter 'abgrasen' und hatten über 20 AG-Angebote für die Kinder“, erzählt der Rektor. Um dann den zweiten Merksatz anzufügen: „Weniger ist mehr.“ Die Vielzahl der Angebote war gut gemeint, aber des Guten auch zu viel, und brachte vor allem den Schulleiter selbst an den Rand seiner organisatorischen Kräfte.

Grundschule Hahle
Projekttag "Mach mit! Koch mit! Iss mit!© Grundschule Hahle

„Ich stand kurz vorm Burnout, denn die Rahmenbedingungen waren die einer Halbtagsschule“, berichtet Marc Rohde. Seine Folgerung: „Ganz wichtig ist, dass das Sekretariat während der ganzen Zeit besetzt ist.“ Der Schulleiter bat damals den Schulträger – den Landkreis Stade – um eine Verlängerung der Anwesenheitszeiten der Sekretärin, was ihm finanziert wurde. „Ich rate Ihnen, auch darauf zu bestehen, denn sonst überfordern Sie sich“, empfiehlt Marc Rohde den anwesenden Schulleitungen.

„Hausaufgabenbetreuung? Gibt es nicht mehr.“

Mit diesem Schuljahr ist nun der dritte Schritt zur teilgebundenen Ganztagsschule gefolgt. An zwei Wochentagen – dienstags und mittwochs – arbeitet die Schule im gebundenen Ganztag. „Damit machen wir gute Erfahrungen“, so Schulleiter Rohde. Auf ihrer Internetseite bietet die Grundschule Hahle „Fragen & Antworten zur GTS“. Eine wird besonders lakonisch beantwortet: „An welchen Tagen wird eine Hausaufgabenbetreuung angeboten? Gibt es nicht mehr.“

Im Laufe des Schuljahres wurden die Hausaufgaben als Lern- und Übungszeiten mit Sprach-, Deutsch- und Matheförderung sowie Projektunterricht mit Lehrkräften in den Unterricht integriert, wozu „wir alle möglichen Stunden zusammenkratzten“, wie Lehrer Florian Rohde erzählt. Doch das hatte auch eine Kehrseite: „Die Eltern meinten, sie bekämen jetzt überhaupt nicht mehr mit, was ihr Kind in der Schule mache. Da muss man mit ihnen verhandeln, um ihnen die Sinnhaftigkeit zu erklären und mit ihnen andere Wege zu finden, wie sie auf dem Laufenden gehalten werden können.“

Projekttag Mobilität© Grundschule Hahle

Die Anmeldung für die Ganztagsangebote ist für mindestens ein Schulhalbjahr verbindlich. Die Schülerinnen und Schüler können sich für zahlreiche Arbeitsgemeinschaften entscheiden, beispielsweise ein Sportangebot des örtlichen Sportvereins und die Wald-AG, Methodenlernen, Leseclub oder Englisch, „Kleine und Große Spiele in der Sporthalle“ oder die AG Hundeschule. Aber auch „Freies Spielen“ wird angeboten. Unterstützt werden die AGs durch Kooperationspartner.

Raum für Sprachförderung

„Gut ist es, eine Offenheit nach außen für Träger und in den Stadtteil zu haben“, erklärt der Schulleiter. Das Familienbildungszentrum als wichtiger Kooperationspartner bietet mit FezS „ein Superkonzept“ an, das sich sowohl an einsprachige als auch an mehrsprachige Familien richtet. „FezS – Familien erleben zusammen Sprache“ ist ein Eltern-Kind-Gruppen-Konzept, das Sprachförder- und Erziehungskompetenzen der Eltern stärken und den Spracherwerb fördern soll.

Ein weiterer Kooperationspartner ist die Stiftung Lesen, mit der die Grundschule Hahle eine Schulbücherei und einen Raum für Sprachförderung geschaffen hat. Kita-Erzieherinnen und -Erzieher und Lehrkräfte bieten hier dreimal in der Woche gemeinsam Sprachförderung für ganz heterogene Gruppen an. „Wir machen das seit vier Jahren und haben es evaluiert. Es ist hoch effektiv“, berichtet Lehrer Florian Rohde.

„ ... zu 110 Prozent überzeugt“

Die Betreuung vor und nach dem Unterricht sowie in der einstündigen Mittagspause übernehmen die Kita-Erzieherinnen und -Erzieher. Das Mittagessen ist für die Kinder nicht verpflichtend, wohl aber die Anwesenheit in der Mensa. „Auch die Lehrkräfte und ich essen verschiedentlich in der Mensa mit. Das baut Beziehungen zu den Schülerinnen und Schülern auf“, meint Marc Rohde.

„Klare Strukturen sind wichtig. Wer macht wann wo was?“, gibt der Schulleiter den Anwesenden als letzten Merksatz mit auf den Weg. Und auch das: „Von der teilgebundenen Ganztagsschule bin ich zu 110 Prozent überzeugt.“ Die in der StEG-Studie attestierte Verbesserung sozialer Beziehungen in Ganztagsschulen sieht der Rektor ganz klar. „Und ich wage die Behauptung, dass auch die Verbesserung in den fachlichen Leistungen kommen wird.“

 

Kategorien:  Schule vor Ort - Ganztagsschule in den Ländern

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